ADHS, Autismus und AuDHS bei Erwachsenen

Neurodivergenz beschreibt Unterschiede in der neurologischen Informationsverarbeitung. Gehirne unterscheiden sich darin, wie sie Aufmerksamkeit regulieren, Reize filtern, soziale Situationen interpretieren und Stress verarbeiten.

Es gibt kein „normales“ Gehirn. Es gibt unterschiedliche neurobiologische Profile mit spezifischen Ressourcen und realen Belastungen.

Ich arbeite in der systemischen Therapie und im Coaching vor allem mit Erwachsenen mit ADHS, Autismus oder AuDHS – häufig spät diagnostiziert, gut maskierend, beruflich leistungsfähig und gleichzeitig chronisch erschöpft. Wir können auch an deinen Themen arbeiten, wenn du noch keine offizielle Diagnose hast.

ADHS

ADHS ist eine neuroentwicklungsbedingte Variante mit hoher genetischer Komponente. Studien zeigen Unterschiede in der Dopamin- und Noradrenalinregulation sowie in neuronalen Netzwerken, die für Aktivierung, Motivation und exekutive Funktionen zuständig sind.

ADHS bei Erwachsenen betrifft nicht Intelligenz oder Disziplin, sondern die Regulation von Aufmerksamkeit und Energie.

Wie zeigt sich ADHS im Erwachsenenalter?

  • Schwierigkeiten, Aufgaben zu beginnen oder abzuschließen

  • starke Schwankungen im Aktivierungsniveau

  • Hyperfokus bei echtem Interesse

  • emotionale Impulsivität

  • hohe Sensibilität gegenüber Kritik

  • Probleme mit Zeitwahrnehmung

  • kreatives, vernetztes Denken

Viele Erwachsene kompensieren lange erfolgreich. Die äußere Stabilität verdeckt oft die innere Anstrengung.

In der systemischen Therapie und im ADHS-Coaching geht es um Aktivierungsregulation, Selbststeuerung und realistische Strukturen – nicht um Disziplinierung.

AuDHS

AuDHS bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen von ADHS und Autismus. Es ist keine eigenständige offizielle Diagnose, sondern beschreibt die hohe Überschneidung beider Spektren.

Seit 2013 ist die parallele Diagnostik möglich. Studien zeigen eine erhebliche Komorbidität.

Typisch sind Überlappungen in:

  • exekutiven Funktionen

  • Aktivierungsregulation

  • Reizverarbeitung

  • Emotionsregulation

Im Alltag entsteht häufig ein Spannungsfeld:

  • Bedürfnis nach Struktur – und gleichzeitige Langeweile durch Struktur

  • Reizsuche und Reizüberflutung zugleich

  • hohe Kreativität bei schneller Erschöpfung

  • starkes Masking

Gerade leistungsfähige, spät diagnostizierte Erwachsene erleben diese Dynamik als dauerhafte innere Anspannung.

Autismus

Autismus ist ein Spektrum. Das bedeutet unterschiedliche Ausprägungen in sozialer Informationsverarbeitung, sensorischer Integration, Detailwahrnehmung und Bedürfnis nach Vorhersagbarkeit.

Neuere Forschung beschreibt innerhalb des Spektrums mindestens vier unterscheidbare neurobiologische Profile. Diese unterscheiden sich unter anderem in kognitiver Ausprägung, sensorischer Verarbeitung und Begleitbelastungen.

In meiner Arbeit begegne ich vor allem zwei dieser Profile:

  • hohe kognitive Leistungsfähigkeit mit ausgeprägter Detailorientierung und starkem Masking

  • deutliche sensorische Besonderheiten mit erhöhter Reizoffenheit

Wie zeigt sich Autismus bei gut maskierenden Erwachsenen?

  • bewusste Analyse sozialer Situationen

  • Erschöpfung nach sozialen Interaktionen

  • starkes Bedürfnis nach Klarheit

  • intensive Spezialinteressen

  • sensorische Über- oder Unterempfindlichkeit

  • hohe moralische Konsistenz

Zwei Menschen im Spektrum können sich erheblich unterscheiden – sowohl in ihren Herausforderungen als auch in ihren Ressourcen. Wir schauen uns das ganz spezifisch für dich an.

Neurodivergenz und komplexe Belastungserfahrungen

Viele Erwachsene mit ADHS, Autismus oder AuDHS berichten zusätzlich von biografischen Belastungen. Wiederholte Überforderung, chronische Anpassung oder frühe Grenzverletzungen können das Nervensystem dauerhaft sensibilisieren.

In der systemischen Therapie arbeite ich traumasensibel. Das bedeutet: Selbstwirksamkeit und Selbstregulation stehen im Vordergrund: eigene Bedürfnisse wahrnehmen, Grenzen setzen, Handlungsspielräume erkennen und schrittweise erweitern. Belastungsgrenzen werden respektiert. Wir bleiben im Hier und Jetzt

Ich bin keine Traumatherapeut*in: wir gehen nicht aktiv in traumatische Erinnerungen oder Exposition. Aber biografische Erfahrungen können berührt werden, wenn wir an den oben genannten Themen arbeiten. Deshalb ist es wichtig, dass du dich stabil fühlst und dich in keiner akuten Krise befindest.

Wie arbeite ich mit Neurodivergenz in Therapie und Coaching?

In der systemischen Therapie und im Coaching geht es nicht um Selbstoptimierung. Im Mittelpunkt steht das Verständnis des eigenen neurobiologischen Profils und die Entwicklung tragfähiger Strukturen: es geht darum, dass dein Leben einfacher wird.

Die Arbeit umfasst:

  • ein differenziertes Verständnis des eigenen Nervensystems

  • eine klare Einordnung von ADHS-, Autismus- oder AuDHS-Mustern im Alltag

  • konkrete Strategien für Selbstregulation, Reizmanagement und Energiebudget

  • Unterstützung bei realistischer Aktivierungs- und Strukturplanung

  • Arbeit an Bedürfnissen und Grenzen, insbesondere bei langer Anpassungsleistung

  • Reflexion und gezielte Reduktion von Masking, wenn es dauerhaft Energie kostet

  • Entwicklung individueller Arbeits- und Planungssysteme, die zum eigenen Gehirn passen

  • Integration der neurodivergenten Identität in ein realistisches, tragfähiges Selbstbild

Die Zusammenarbeit ist wissenschaftlich fundiert, traumasensibel und klar strukturiert. Es gibt keine Standardlösungen, sondern passgenaue Begleitung.